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Ihr erstes Jazzfest Berlin (05. - 08.11.2015) ist zu diesem Zeitpunkt Historie. Wie geht es Ihnen?

Ich bin sehr zufrieden Und das verdanke ich in erster Linie dem Publikum, es hat akzeptiert, was ich ihm präsentiert habe; es hat mit großem Interesse und Respekt
zugehört, und es schien ihm auch gefallen gefallen zu haben. Das verschafft mir ein sehr schönes Gefühl.

Hat Sie denn überrascht, dass das Publikum ihrer Auswahl gefolgt ist?

Ein wenig schon. Ich wollte es nämlich auch herausfordern. Ich wollte es zum Nachdenken bringen über das, was es hört. Ich wollte dem Publikum nicht einfach etwas vorsetzen, von dem ich wusste, dass es ankommt. Die Tradition der Berliner Jazzfestivals ist für mich auch von Provokation geprägt, zumindest gelegentlich. Und ich halte es für wichtig, dass Jazz damit fortfährt - Kämpfe auslöst. (lacht)
Ganz offenkundig gab es diesmal keine Auseinandersetzungen. Aber insbesondere das Splitter Orchester unter George Lewis und Diwan Der Kontinente haben zum Nachdenken herausgefordert, was Jazz ist und was er werden könnte.
Ich behaupte nun nicht, die beiden repräsentierten des Klang eines zukünftigen Jazz. Aber hier haben wir junge Leute, die darüber nachdenken und verschiedene Richtungen ausprobieren. Ich halte es für meine Verantwortung, ihnen dabei behilflich zu sein.

Sind Sie sich in dieser neuen Rolle manchmal wie ein Lehrling vorgekommen?

(lacht) Ich komme mir ständig wie ein Lehrling vor und erwarte das auch in den kommenden 3 Jahren. Ich habe nie zuvor ein Festival gestaltet, ich habe nie etwas
promotet. Es war für mich ungeheuer interessant, dazu aufgefordert zu werden,
nach alle den Jahren, wo ich von einer anderen Seite aus beobachtet habe, wie Musik funktioniert. Das ist eine sehr befriedigende Tätigkeit und zugleich sehr Angst einflössend.

Richard Willilams
Richard Williams, 68, ist - in der Terminologie von Volker Kriegel (1943-2003) - "eine Einzelanfertigung". Er war Chefredakteur des Melody Maker in den 70ern, hat kurz bei Island Records gearbeitet, danach Jahrzehnte als Sportreporter bei der Times und beim Guardian.
Er hat Bücher sowohl über Sport- als auch Jazzstars geschrieben. In seinem Blog The Blue Moment behandelt er Musik auf einer Breite vom Motown-Studiobassisten über Evan Parker bis zu Abba.
Richard Williams leitet das Jazzfest Berlin von 2015 - 2017.

Gab es Dinge, die Sie sehr überrascht, die Sie so nicht erwartet haben?

Nicht wirklich. Am meisten hat mich die Freundlichkeit der Leute überrascht. Denn selbstverständlich waren sie zunächst misstrauisch.
Da gab es zum Beispiel einen Artikel in der Berliner Zeitung nach meiner Programm-Pressekonferenz: „Jetzt ist die Übernahme Berliner Kulturinstitutionen durch die Briten komplett. Jeder freut sich auf Ian McGregor, manche trauen Chris Dercon nicht. Und kein Mensch weiß was über den neuen Leiter des Jazzfest, der offenkundig während der letzten 20 Jahre über Fußball berichtet hat.“
Das kann ich nachvollziehen. Ich kann nachvollziehen, dass sie mir mit Vorsicht und Misstrauen begegnen. Aber nachdem sie bemerkt haben, dass mir das Festival wirklich am Herzen liegt und dass ich ein wenig von Musik verstehe, wuchs langsam der Eindruck, dass die Entscheidung wohl in Ordnung war.

Es gibt in der Tat gegenwärtig einen großen Kulturaustausch zwischen London und Berlin. Sie haben schon britische bzw. mit Großbritannien assoziierte Kuratoren anklingen lassen (Chris Dercon ist Belgier), die nach Berlin kommen, so wie umgekehrt Tate Britain - bis dato völlig undenkbar - nun eine deutsche Leitung hat, ebenso das British Museum. Sind Sie Teil dieser Rochade?

(lacht sich kaputt)  So ist halt die Welt im Moment! Ich glaube, es handelt sich um einen Zufall. Aber um einen Zufall im Rahmen einer größeren Fluidität, eines größeren Austausches unter Menschen, der damit auch Kunsteinrichtungen umfasst.
Ich finde es toll.
Wir denken ja manchmal auch, warum haben wir für die englische Fußballnational-Mannschaft einen englischen Trainer oder einen deutschen- ja, in Liverpool haben wir gegenwärtig einen und im Moment auch einen Engländer, der die Nationalmannschaft trainiert, übrigens nicht übermäßig erfolgreich...)-
Fußball ist einfach anders. Er ist sehr von Patriotismus geprägt.
Aber, es ist gut, die Verschiedenartigkeit der Perspektiven von Menschen aus anderen Ländern zu erfahren.
Vielleicht liegt mein Vorteil in Berlin darin, dass ich - obwohl ich das Festival seit langem kenne und es auch besucht habe - überhaupt keine politische Position einnehme. Ich bin niemandem einen Gefallen schuldig wie umgekehrt auch.

Wenn Sie mal ihre unterschiedlichen Rollen miteinander vergleichen: heute als Leiter des Festivals, damals als journalistischer Besucher - können Sie da irgendwelche Verbindungen ausmachen?

(lacht) Die Verbindung liegt in der Musik und meinem Verhältnis dazu. Es gab Momente an diesem Wochenende, wo ich eigentlich etwas anderes hätte tun müssen als einfach da zu stehen oder zu sitzen und mich der Musik zuzuwenden. Tut mir leid, aber ich habe mehr Musik gehört als meinen Aufgaben nachzugehen.
Beides ist also durch den gleichen Enthusiasmus miteinander verbunden und durch die aufregende Erfahrung, die ein großes Festival liefern kann.

Gibt es Dinge, die Sie im kommenden bzw. in den kommenden beiden Jahren vermeiden wollen?

Nein, es gibt eigentlich nichts, was ich unbedingt vermeiden möchte. Ich meine, die ersten kleinen Schritte getan zu haben, um das Festival wieder mit der Stadt Berlin zu verbinden, also der Musikszene hier und insbesondere den jüngeren Musikern. Und für die Zukunft des Festivals halte ich sie für sehr wichtig.
Das Jazzfest Berlin wird nicht plötzlich ein Festival für den Berliner Jazz werden, es wird ein internationales Festival bleiben. Aber mit Split Orchestra und Diwan der Kontinente haben wir Großprojekte mit jungen Leuten präsentiert, die hier leben als Teil dieser fantastischen multi-kulturellen Gesellschaft. Ich möchte noch bessere Wege finden das zu reflektieren.
Und damit auch eine neue Generation von Hörern ansprechen. Das ist mir sehr wichtig.
Wir haben ein treues Publikum, aber wir müssen auch den jungen Musikern und den jungen Besuchern den Eindruck geben: das ist ihr Festival!

Wenn ich richtig informiert bin, ist Ihr Berufsleben eng mit London verbunden. Vergleichen Sie doch mal das kulturelle Klima in London und Berlin miteinander, unter der Maßgabe - ganz fiktiv - Sie erhielten den Auftrag, in London ein Festival zu gestalten - was wären die Unterschiede?

London und Berlin sind einander in vielerlei Hinsicht ähnlich. Beide verfügen über eine sehr etablierte Kultur im jeweiligen Westen der Stadt und eine junge, sehr lebendige Kultur im jeweiligen Osten, darin sind sie frappierend ähnlich. Beide sind multi-kulturelle Städte, das gefällt mir sehr. Es leben dort Leute von sehr unterschiedlicher Herkunft, das führt zu Spannungen, ja, aber es liefert auch die Vorlage für künstlerisches Potenzial.
Das London Jazz Festival ist vollkommen anders als das Jazzfest Berlin; es ist viel größer dauert zwei Wochen, es spielen tausende Musiker, verteilt über die ganze Stadt. Es ist nicht so fokussiert wie das Jazzfest, was ich daran mag.
Mir fällt keine befriedigende Antwort darauf ein.
Ost-London ist ähnlich wie der Osten von Berlin, da ist nicht soviel Geld versammelt, aber ungeheuer viel Kreativität. Darauf würde ich meine Aufmerksamkeit konzentrieren.

Ich habe gerade gestern über eine neue Studie gehört, wonach so gut wie keine Loft-Szene mehr in London geben soll.

Das stimmt. Als ich diesen Job antrat, fiel mir sehr schnell auf, dass der Vorteil Berlins darin besteht, nicht der Finanzplatz des Landes zu sein. Hier gibt es nicht die Investment-Banker und Hedgefond-Manager, die die Grundstückspreise nach oben und damit Künstler aus den Nachbarschaften vertreiben, die diese begründet haben.
Und genau das ist in London in den östlichen Distrikten passiert. Das Leben dort ist immer noch aufregend, es gibt immer noch Leute, denen es gelingt, dort zu leben, aber gerade so.
Was sollen die Künstler tun? Nach Manchester ziehen? Nach Birmingham? Dort eine neue community gründen? Ich weiss keine Antwort darauf. Aber die Künstler müssen immer mehr aus London weichen.
Auch in Berlin steigen die Grundstückspreise, aber langsamer, soweit ich das beurteilen kann. Künstler brauchen alte Lagerhäuser, unbedingt. Und dann tauchen die Immobilienhaie auf...
Ich liebe London, ich will es nicht kritisieren - aber Berlin ist als Wohnort für Künstler viel wertvoller.

MM logoWir beide sind uns zum ersten Mal vor 45 Jahren in London begegnet, in der Fleetstreet. Mit dieser Adresse können viele heute nichts mehr anfangen. Es war in der Redaktion des Melody Maker, wo Sie damals stellvertretender Chefredakteur waren.
Als ich dies bei der Verabredung zu diesem Interview ansprach, sagten Sie:
„Melody Maker, das war die glücklichste Zeit meines Lebens!“

Ja, vielleicht war es die glücklichste Zeit - bis zu dieser Woche! (lacht)
Der Melody Maker hatte in den frühen 70ern wöchentlich eine verkaufte Auflage von 200.000 Exemplaren.  Das war ein enormes Publikum, jeder unter 25, der sich für Musik interessierte, las den Melody Maker. Es war eine sehr schnelllebige Zeit für Musik, man konnte wirklich schreiben, was man wollte im Bereich von Rock, Jazz, Folk, gelegentlich auch Klassische Musik. Das war eine tolle Zeit.

Sie haben, wie bekannt, Karriere auch gemacht als Sportjournalist. Wie sind da über die Jahrzehnte die Proportionen: 50 Prozent Sport, 50 Prozent Musik?

Es war nie 50:50, erst jetzt ist es so. Ich habe eine Ausbildung als Reporter für Tageszeitungen, der über alles schreibt. Als ich beim Melody Maker anfing, wurde
Musik zur absoluten Priorität. Dann wurde ich Redakteur bei der Times und beim Independent On Sunday, da war ich für Features zuständig, kein Spezialist.
Per Zufall wurde ich zu den Olympischen Spielen in Barcelona geschickt während dieser zwei Wochen habe ich den Spaß am Sportjournalismus entdeckt. Und dann bin ich für die nächsten zwanzig Jahre dabei geblieben. Ich habe sechs Olympische Spiele und fünf Worldcups erlebt. Es war eine tolle Zeit, es war wie in einer Band - aber ohne Ferien.
Zwanzig Jahre waren dann auch genug, während dieser Zeit hat sich mein Interesse an Musik erhalten; wo immer in der Welt ich auch war, habe ich nach Musik Ausschau gehalten.
Ich wollte Musik und Sport gleichwertig behandeln, und so ist es heute auch, mit einem leichten Schwerpunkt auf Musik. Ich habe samstags immer noch eine Sport-Kolumne im Guardian, die ich sehr gerne schreibe. Ich besuche aber nicht mehr viele Sportveranstaltungen, ich werde z.B. nicht mehr die Olympischen Spiele besuchen.

Gestern, beim Schlusskonzert des Jazzfest Berlin, wurden Sie vom Ansager zitiert, wonach eine Gemeinsamkeit zwischen Sport und Jazz darin bestehe,  dass man bei beiden wisse, wie sie enden. Ich hoffe, diese Analogie ist nicht Ihr letztes Wort in dieser Sache, es gibt doch gravierende Unterschiede.

Natürlich. Sport ist viel mehr großes Geschäft, und die Sportler leben ein anderes Leben.
Wenn man die sprechen will, wird man mit ganz anderen Problemen konfrontiert und erfährt dann doch nichts Interessantes von ihnen.
Das ist schon sehr verschieden. Aber andererseits sind Spielfeld und Bühne doch nicht so sehr anders. Die Idee, dass man nicht das Ende kennt, wenn man in einen Club oder ins Stadion geht, ist mir sehr wichtig. Sie kam mir, als ich ein Jahr lang Filmkritiker des Guardian war. Ich war immer schon Fan des Kinos, ich dachte, das wäre ein toller Job für mich. Tatsächlich machte er mir überhaupt keinen Spaß. Abgesehen von den Meisterwerken gefiel mir überhaupt nicht die Idee, Tag für Tag gefangen zu sein in jemand anderes Geschichte, eine Geschichte, deren Verlauf obendrein festgelegt ist.
Nun könnte man einwenden „Das gilt auch für Shakespeare!“, aber die meisten Filme waren nicht auf dem Niveau von Shakespeare.
Was für ein Erlebnis ist es dagegen zu erleben, wie sie sich ein leeres Stadion langsam füllt. Ein jeder kennt die Regeln - aber keiner kennt das Resultat.
Jazz ist ganz ähnlich. Man geht in einen Club oder einen Konzertsaal, die Regeln sind klar, mehr oder weniger klar; interessant wird, wenn jemand sie verletzt. Aber niemand weiß, was als nächstes passiert. Das ist einer der Gründe, meine ich, was die Leute am Jazz fasziniert: dieser ständige Eindruck von Aufregung und Ungewissheit. Darin besteht die große Ähnlichkeit.

Der große Unterschied aber ist: im Sport gibt es Gewinner und Verlierer. Selbst wenn man im Jazz auf der Bühne diesen als Gewinner, jenen als Verlierer erklärte, bekäme man aus dem Publikum niemals ein so klares Resultat wie im Sport. Die Metapher ist doch recht dünn.

Natürlich gibt es große Unterschiede, und sie sprechen unterschiedliche Emotionen an. Musik ist weitaus subtiler, die Dynamik der Emotionen geringer.
Trotzdem, ein großer Fußballspieler und ein großer Jazzmusiker können manchmal Dinge sehen, die unsereins verschlossen bleiben. Sie haben eine Vision, die unsere Fähigkeiten übersteigt. Darin liegt eine Verwandtschaft, das ist eine humane Qualität, Talent usw.

Ich hatte an dieser Stelle erwartet, dass Sie den Aspekt Improvisation herausgestellen. Wobei ich denke, im Sport wird viel mehr improvisiert als im Jazz.

Ja, es kommt darauf an, über welche Art Jazz Sie sprechen.
Den Improvisierenden sowohl im Sport als auch im Jazz zeichnet die gleiche Qualität aus, die jemand beschrieben hat als „entspannte Konzentration“. Der Musiker oder der Fußballspieler muss sich vollständig auf das konzentrieren, was im Moment geschieht und zugleich aber auch sich entspannen. Beide eint also auch das Bestreben, eine fantastische Technik zu entwickeln - um sie dann, während des jeweiligen Spielens, zu vergessen.

Wie verstehen Sie Ihre Rolle als Journalist: sind Sie eher Generalist, sind Sie Kritiker? Gibt es einen Begriff, der Ihre Tätigkeiten angemessen erfasst?

Ich verstehe mich eher als Reporter. Ich mag es, Dinge zu beschreiben. Natürlich habe ich eine Meinung und ich gebe sie auch weiter. Aber inzwischen interessiert mich nicht mehr, über Dinge zu schreiben, die mir missfallen. Ich habe gar nicht mehr die Zeit dafür.

Als ich zwanzig war, war das anders. 

Ich schreibe lieber darüber, was mir gefällt und trage meinen Enthusiasmus weiter. Ich gehe gerne zu Veranstaltung - welche auch immer das sein mögen - und berichte für Leute, die nicht dort waren.

Das ist heute, vor allem im Sport, schwieriger geworden, weil fast alles zeitgleich im Fernsehen läuft. Das macht es schwieriger und zugleich interessanter, einen Dreh zu finden, sie auf das hinzuweisen, was ihnen möglicherweise entgangen ist. Das ist das Schönste daran. Also, ich bin ein Reporter.

Das führt mich direkt zu The Blue Moment. Ihr Blog ist kein Forum der Kritik, sondern das eines Reporters. Wie in einer Tageszeitung berichten Sie häufig über das, was sie am Abend zuvor erlebt haben.

Genau. Zwar enthält der Blog gelegentlich auch Momente des Rezensierens, aber in der Hauptsache doch Beschreibungen. Ich liebe diesen Blog, ich betreibe ihn aus reinem Vergnügen, es ist kein finanzielles Motiv damit verbunden.

Als ich den Guardian verließ, um wieder mehr über Musik zu schreiben, wollte ich das Feeling wieder herstellen, das ich 40 Jahre zuvor hatte, als ich beim Melody Maker arbeitete. Alles ist möglich, man muss niemandem um Erlaubnis fragen, bei niemandem um weitere 200 Wörter Umfang betteln. Ich wollte es einfach noch mal wissen; wer es mag - schön, wer es nicht mag, dem kann ich nicht helfen.

Was mich an The Blue Moment beeindruckt, ist, abgesehen von der Qualität der Texte selbst, ihr stilistisches Panorama. Ich kenne keine weitere Internet-Plattform, die - gefiltert durch die Linse bzw. die Ohren oder das Hirn eines einzigen Autors - einen solchen Parcours durch die Genres bietet. Das beginnt bei einem unbekannten Motown-Bassisten und geht über Evan Parker und The Necks bis zu einer der Sängerinnen von Abba.

Auch das ist die Perspektive eines Generalisten.

Ich muss meinen Eltern dafür dankbar sein. Das waren keine Musiker, aber sie liebten Musik. Sie haben in mir den Gedanken genährt, dass eine jede Musik wert ist, untersucht zu werden. Das bedeutet nicht, dass jede Musik großartig ist, aber man darf auch keine ausschließen, bloß weil sie zu einem bestimmten Genre gehört. Diese Haltung haben sie mir vermittelt. Ich schäme mich also nicht, wenn mir das Solo-Album einer Abba-Sängerin gefällt - wenn es darin etwas gibt, was mich anspricht, bin ich glücklich darüber.

mar keys 1Jetzt kommt die Frage eines Followers: manchmal bilden Sie Covers von alten Schallplatten ab, von sehr alten Schallplatten...

(Williams lacht diebisch)...

sind das Ihre eigenen?

Ja. Es sind immer meine eigenen Exemplare.

Sind Sie also auch Sammler?

Nein, nicht wirklich. Ich habe eine Schallplattensammlung, aber ich betrachte mich nicht als Sammler. Ich habe alle Singles aufbewahrt, die mir was bedeuten, aber nichts, was ich nicht mag. Ich habe die Hütte nicht mit allem gefüllt, was je hereinkam.

Ich würde es auch nicht als „Sammlung“ bezeichnen - obwohl es sich um verdammt viele Platten handelt.

Unterstellt, Sie wären diesmal beim Jazzfest Berlin als Richard Williams, der Reporter. Welches Thema würden Sie in The Blue Moment herausstellen?

Wow, das ist eine interessante Frage. Der Blick von außen...ich habe mich dermaßen um jeden Künstler und jede Performance bei diesem Festival gekümmert...boah, das ist eine furchtbare Frage, jetzt etwas herauszugreifen.

Also, ich würde etwas schreiben über die Vielfalt des Programmes, inwieweit das Festival damit verschiedene Möglichkeiten des Jazz aufzeigt.

Jazz muss überleben, er ist zu kostbar für die Menschheit.


© Michael Rüsenberg, 2015
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