EIN MUSIKALISCHES SCHLÜSSELERLEBNIS WAR FÜR MICH...

Das grösste Schlüsselerlebnis - obwohl es sehr lange zurückliegt - ist und bleibt, dass ich dem Horace Silver Quintet beigetreten bin. Ende 1967.

Das waren meine Lehrjahre. Ich habe sehr viel von Horace gelernt: wie man eine Band leitet, wie man eigene Musik schreibt,die Bedeutung eines eigenen Stiles, wie man ein gradliniges Leben führt - kurz: wie man ein guter Mensch wird.

Das prägt mich bis heute.

EIN VÖLLIGER FEHLKAUF WAR DIE PLATTE...

Im Grunde habe ich viel Glück beim Plattenkauf gehabt.

Aber eine müsste mir doch einfallen...

ja gut, neulich habe ich eine Platte von Kamen gekauft. Das ist kein Rapper, sondern eher ein Organisator.

Und ich war doch enttäuscht - ich habe die Platte aber noch nicht ganz durchgehört, ich habe noch keinen Zugang dazu gefunden, um es mal so zu sagen.

MAN KÖNNTE MICH NACHTS WECKEN FÜR...

Man kann mich gar nicht wecken, weil ich nachts überhaupt nicht schlafe.

Aber, das ist eine gute Frage.

Naja...um gute Musik zu spielen - oder für Sex...wenn es sich um eine Frau handelt.

ES FÄLLT MIR SCHWER ZUZUGEBEN, ABER ICH STEHE WIRKLICH AUF..

The Rolling Stones.

EINE MUSIK, DIE ICH MIR NOCH ERARBEITEN MUSS, IST...

Musik in ungeraden Takten, die muss ich mir noch erarbeiten. Musik aus der Türkei oder aus dem Nahen Osten, wo man in 17/4 spielt oder in 8 1/2 oder in 5 - das gefällt mir. Aber es gehört nicht zu meiner Kultur, ich müsste mir das erarbeiten.

EIN MUSIKALISCHER TRAUM VON MIR IST...

...to play with Sonny Rollins.

WICHTIGER ALS MUSIK IST MIR...

Liebe.

BEETHOVEN...

Ein Genie. Wundervolle Melodien, ein grosses Komponisten-Talent.

PRINCE...

Ein guter Showman und allround-Musiker.

JOHN CAGE...

Interessante Philosophie.

BEATLES...

Die besten Songs der Welt. Von ewigem Einfluss.

JOHN ZORN...

Auch ein Original, spiegelt sehr gut unsere Zeit

KARLHEINZ STOCKHAUSEN...

Ein Neuerer, wichtige Person der Musik des 20. Jahrhunderts

MADONNA...

Ein mutiges Mädel.

MILES DAVIS...

Hat alles zu Kunst gemacht.

PAVAROTTI...

Schöne Klänge, ein toller Showman, unvergesslich.

ALBERT MANGELSDORFF...

Ein wunderbarer Techniker, hat auf der Posaune neue Standards gesetzt..

ZAPPA...

Ein Unikum. Einer, der immer vermisst werden wird. Er starb viel zu früh."

REIF FÜR DIE INSEL - DIESE PLATTEN NEHME ICH MIT...

Ich nehme momentan viele Compilations zur Hand. Ich habe nämlich meine Plattensammlung durchforstet und viel davon in meinen I-Pod-Player geladen. Mir war kaum noch bewusst, was sich alles in meiner CD-Kollektion befindet.

Daraus nun fünf Exemplare herauszufischen, wäre sehr schwierig.

Die meisten Leute sagen sowieso "Kind of Blue" (Miles Davis) - aber das habe ich millionenmal gehört; ich weiss nicht, ob ich das noch mal auswählen würde.

Aber einige meiner Art Blakey-Platten.

Ganz sicher was von Clifford Brown - überhaupt viele Trompeter. Lee Morgan.

Vielleicht auch was Orchestrales, vielleicht Charles Ives. Von dem habe ich gerade was im Radio gehört, war sehr umfassend.

Und dann noch: das Beste von Wayne Shorter.

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Meine eigenen Platten würde ich nicht mitnehmen, der Abstand dazu ist doch zu gering. Aber wenn ich in New York bin, längere Zeit nicht gearbeitet habe und in mir Zweifel wachsen, dann ist es gar nicht schlecht, sich die eigenen Platten anzuschauen, mal eine aufzulegen - und festzustellen: dass ich musikalisch doch ein klein wenig was erreicht habe.

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Ich kann´s gerne erzählen, aber es ist keine grosse Geschichte, wie ich den Job bei Frank Zappa bekommen habe.

Er hatte Kontakt aufgenommen zu den Bläsern aus der Fernseh-Show "Saturday Night Live" in New York. Zappa´s Pech war - sage ich -, dass mein Freund Alan Rubin - ein wunderbarer Trompeter aus der "Saturday Night Live"-Band - aus irgendwelchen Gründen den Job nicht wollte. Vielleicht, weil ihm das Honorar zu gering war oder was auch immer.

Er fragte mich, ob ich für ihn einspringen wollte - und ich war entzückt, mit Frank Zappa spielen zu können.

Danach hat man wohl meinen Bruder Michael kontaktiert, und wir haben eine ganze Woche lang in einem Theater in New York gespielt, das, glaube ich, "The Paramount" hiess.

Die entsprechende Platte ist offenkundig sehr berühmt geworden,weil ich immer noch darauf angesprochen werde.

Bei dieser Gelgenheit haben wir Terry Bozzio kennen- und schätzen gelernt, Patrick O´Hearn war auch in jener Band - mit beiden haben wir später zusammengearbeit.

Es war faszinierend, Frank bei der Arbeit zu beobachten: wie ungemein präzise er die Musik notiert hatte und verlangte, dass sie korrekt interpretiert wird. Er war ein ausgewiesener Dirigent.

Die Partituren waren wasserdicht, es gab keinerlei Fehler darin.

Und er hat sie solange einstudiert, bis wir sie auch spielen konnten. Für mich als Jazzmusiker war das ungemein anstrengend. Es gab eine Menge metrischer Modulationen und schwierige Teile zu spielen.

Das ganze hat mich stark beeindruckt und auch beeinflusst.

Die Musik war sehr anspruchsvoll und unterhaltsam zugleich. Diese Gleichzeitigkeit hat mir sehr gefallen.

 

 

 

 

©2004 by Michael Rüsenberg