13.04.17, 23:03-00:00 SWR 2
Improvisation, eine Qualität des Lebens

Von Keith Jarrett bis Angela Merkel
3. Alltag & Fussball

Ob „jeder Mensch ein Künstler“ ist, wie Joseph Beuys einst behauptete, darüber kann man streiten.
Völlig unstrittig aber, dass jeder Mensch ein Improvisator ist:
„jedes Gespräch ist improvisiert“, betont der Soziologe Ronald Kurt.
Das Gespräch gehört demnach in die zweite Kategorie, mit der die US-Philosophin
Lydia Goehr Formen der Improvisation grundsätzlich unterscheidet.
Da ist zum einen die Improvisation in den Künsten, wo man sich dazu verabredet („improvisation extempore“), dann gibt es „improvisation impromptu“ andererseits:
„Stellen wir uns vor: wir sind plötzlich konfrontiert mit einem Problem, einem Notfall, und zwar in allen Bereichen des Lebens. Wir müssen sofort etwas tun.“

Das ist Improvisation im Alltag, und dort sind, weiß der Berliner Historiker Jörg Baberowski, die Russen „Weltmeister“.
Richard Willilams
Improvisiert wird aber auch dort,
wo man den Begriff gar nicht kennt:
„Jedes Fußballspiel ist zu 100 Prozent improvisiert“,
sagt der englische Sportjournalist
(und Leiter des Jazzfest Berlin)
Richard Williams,
„aber statt von Improvisation spricht man dort lieber von Einfallsreichtum.“

 

 

 mit
Jörg Baberowski, Humboldt Universität, Berlin
Gunter Gebauer, FU Berlin
Lydia Goehr, Columbia University, New York City
Alexander Kluge, München
Ronald Kurt, Evangelische Hochschule, Bochum
Alexander Lechleuthner, Berufsfeuerwehr Köln
Richard Williams, The Guardian, London